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Gladiator

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Gladiator Artikel

Dieser Artikel beschäftigt sich mit Gladiatoren als Schwertkämpfer, andere Bedeutungen unter Gladiator (Begriffsklärung).


Gladiatoren (vom römischen gladius, einem Stoßschwert) waren in dem antiken Rom Berufskämpfer, die in öffentlichen Schaustellungen auf Leben und Tod gegeneinander kämpften. Der Kampf der Gladiatoren gegeneinander wird als Gladiatur genannt. Gladiatorenkämpfe waren Bestandteil des römischen Lebens von 264 v. Chr. bis Anfang des 5. Jahrhundert nach Chr.

Gladiator Beschreibung
Gladiator Beschreibung
Pollice Verso von Jean-Léon Gérôme 1872
Inhaltsverzeichnis
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Ursprung der Gladiatorenkämpfe

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Der religiöse Hintergrund

Der Ursprung der Spiele ist nicht vollständig geklärt. Vermutet wird jedoch, dass Gladiatorenkämpfe eine religiöse Bedeutung in dem Rahmen von Totenfeiern hatten. Grabmalereien aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. deuten auf eine etruskische Herkunft. Einer anderen Theorie zufolge stammen die Spiele aus Kampanien, wo ebenfalls in Grabmalereien aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Gladiatorenkämpfe dargestellt sind.

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Die ersten Gladiatorenspiele

Die ersten Gladiatorenspiele in Rom fanden 264 v. Chr. statt, als Decimus Junius Brutus in Gedenken an seinen kurz zuvor verstorbenen Vater auf dem Forum Boarium, einem Marktplatz in Rom, drei Sklavenpaare gegeneinander kämpfen ließ. Dem Beispiel des Decimus folgten sehr bald weitere römische Adlige, die mit diesen als munus (=Dienst, Plural: munera) genannten Vorführungen gleichfalls ihre Verstorbenen ehrten. Der römische Historiker Festus schrieb dazu:

"Es war Brauch, Gefangene auf den Gräbern tapferer Krieger zu opfern; als die Grausamkeit dieser Sitte allen erkenntlich war, beschloss man, Gladiatoren vor den Grabstätten kämpfen zu lassen "

Trotz dieses Zitates ist die Theorie, dass Gladiatorenkämpfe die mildere Variante griechischer und römischer Menschenopfer zu Ehren Verstorbener waren, nach Auffassung einiger Historiker nicht zutreffend. Sie vertreten die Auffassung, dass mit den blutigen Kämpfen die Merkmale des Verstorbenen demonstriert werden sollten und zwar jenes Merkmalen, die nachdem Verständnis der damaligen Menschen die Größe des Römischen Reiches bedingten: Mut, Kraft, Tapferkeit, Entschlossenheit und Gleichmütigkeit gegenüber dem Tod.

Veranstalter dieser Gladiatorenkämpfe waren wohlhabende Privatleute - sie waren als einzige in der Lage, sich sowohl die Kosten für die Gladiatoren als auch für das anschließende aufwendige Bankett leisten zu können. In dem Laufe der Zeit entdeckten jedoch auch römische Politiker, dass die Veranstaltung solcher "munera" ein geeignetes Mittel war, sich die Zuneigung der römischen Bevölkerung zu erwerben. Die Zuschauer verfolgten das Geschehen dicht gedrängt am Rand stehend, Sitztribünen gab es bei den ersten Veranstaltungen noch nicht.

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Gladiatorenkämpfe in dem 1. Jahrhundert v. Chr.

Als die Beliebtheit von Gladiatorenkämpfen beim römischen Volk stieg und man begann, es als Recht anzusehen, auf diese Weise unterhalten zu werden, wurden die Spiele prächtiger und größer. Es wurden die ersten hölzernen Sitztribünen errichtet, und die ersten Tierhetzen (venationes) wurden in die munera aufgenommen und allmählich zu dem festen Bestandteil einer solchen Veranstaltung. Die Veranstalter waren nach wie vor wohlhabende Privatpersonen, denen jeder Anlass willkommen war, sich auf diese Weise die Gunst des römischen Volkes zu verschaffen. Und je außergewöhnlicher die Veranstaltung war, desto größer war die Chance, in dem Ansehen des römischen Volkes zu steigen. Von Gaius Iulius Caesar wird überliefert, er hätte seine Gladiatoren mit Rüstungen aus Silber ausstatten lassen, um die römische Bevölkerung zu beeindrucken. Über die Ausmaße, die ein solcher Bestechungsversuch der römischen Bevölkerung annehmen konnte, berichtete Sueton, ein römischer Biograph, über Caesar:

"Caesar veranstaltete Schauspiele unterschiedlichster Art: Ein Gladiatorenspiel, Theateraufführungen in jedem Stadtviertel, und zwar durch Schauspieler aller Sprachen, desgleichen Zirkusvorstellungen, Athletenkämpfe und ein Seegefecht (Naumachie). Im Gladiatorenspiel auf dem Forum kämpfte Furius Leptinus, der aus einer Familie prätorischen Ranges stammte, und der ehemalige Senator und Rechtsgelehrte Quintus Calpenus....
Die Tierhetzen dauerten fünf Tage; den Schluss bildete ein Gefecht, im sich zwei Abteilungen von je fünfhundert Mann zu Fuß, zwanzig Elefanten und dreihundert Reiter gegenüber standen...."
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Gladiatoren in dem römischen Kaiserreich

Buch-Tipp: Die Nächte der Venus. Erotischer Roman Erotische und heiße Römerzeit. . . Die junge und schöne Patrizierin Caelia führt ein ausschweifendes Leben, doch eines Tages erblickt sie den männlichen Gladiator Widar und sie weiß, diesen Mann will ich verführen. Jedoch denkt der stolze Gladiator nicht daran, sich dieser reichen verwöhnen Frau hinzugeben. Doch sein Widerstand ist zwecklos...

Gladiatorenkämpfe als öffentliche Aufgabe

Während Wagenrennen, Theateraufführungen und Tierhetzen als öffentliche Aufgabe verstanden wurden, waren die Gladiatorenkämpfe bis 42 v. Chr. eine rein privat finanzierte Angelegenheiten. Dies änderte sich in der Zeit der Staatskrise nach der Ermordung Julius Caesars. Die Aedile beschlossen in dem Jahre 42 v. Chr. das erste Mal, nicht ca. Wagenrennen öffentlich auszurichten, sondern auch Gladiatorenkämpfe. Sie fanden in dem Rahmen der "ludi cereales" statt, den Feierlichkeiten zu Ehren der Göttin Ceres. Begleitet wurden diese ersten öffentlich finanzierten Gladiatorenkämpfe von Tierhetzen.

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Gladiatorenkämpfe als kaiserliches Privileg

Es war vor allem Augustus, der die Veranstaltung von Gladiatorenkämpfen als kaiserliches Privileg etablierte:

"Dreimal ließ ich in meinem eigenen Namen Gladiatorenspiele veranstalten und fünfmal im meiner Söhne oder Enkel. Bei diesen Spielen kämpften etwa zehntausend Menschen...Tierhetzen mit afrikanischen Raubtieren ließ ich in meinem Namen oder im meiner Söhne und Enkel in dem Zirkus oder auf dem Forum oder in dem Amphitheater für das Volk sechsundzwanzigmal durchführen, wobei ungefähr dreitausendfünfhundert Tiere erlegt wurden."

Die Veranstaltung von Gladiatorenkämpfen wurde stets mehr in den Kaiserkult integriert - das galt insbesondere in den Provinzstädten. Zu den Zeiten von Augustus war es zwar den Senatoren noch möglich, solche Spiele zu veranstalten, doch schon 22 v. Chr. ließ Augustus in einem Dekret festhalten, dass in diesen Fällen nicht mehr als 120 Gladiatoren eingesetzt werden durften. Gleichzeitig begrenzte Augustus die Zahl der Tage, an denen Gladiatorenspiele veranstaltet werden konnten:

  • vom 2. bis 8. Dezember
  • in den Tagen der "Sataurnalien" zwischen dem 17. und 23. Dezember
  • zu dem Frühlingsfest "Quinquatrus" zwischen dem 19. und 23. März

Wer es wagte, privat Gladiatorenkämpfe zu veranstalten, lief jedoch Gefahr, sich den Zorn der römischen Kaiser auf sich zu ziehen. Dieses Risiko nahm insbesondere in den Zeiten nach Augustus deutlich zu, als Gladiatorenspiele als Teil des Kaiserkultes fest etabliert waren und Kaiser wie Nero und Caligula herrschten.

Die relative Seltenheit der aufwändigen und kostspieligen Gladiatorenkämpfe blieb über die Jahrhunderte weitgehend konstant. Noch in dem Jahr 354 n. Christus wurden von den 176 Festtagen 102 für Theateraufführungen, 64 für Wagenrennen und ca. 10 für Gladiatorenkämpfe genutzt.

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Die Besonderheiten des Gladiatorenlebens

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Gladiatoren-Gattungen

Die erste Ausrüstung der Gladiatoren war einfach. Jeder trug einen Schild und ein Schwert und war durch Helm und Beinschienen geschützt. In dem Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich eine Reihe unterschiedlicher Gladiatorengattungen, die sich in ihrer Ausrüstung zu dem Teil deutlich unterschieden. Die Hauptausrüstung bestand aus einem Schwert, Beinschienen , einem Helm, einem Schild und einem Metallgürtel, der den Lendenschutz halten sollte. Selten trugen die Kämpfer einen (Ober-)Körperschutz. Neuere Erkenntnisse über die Ernährung der Gladiatoren deuten darauf, dass sie sich auch durch natürliche Fettschichten gegen kleinere Verletzungen zu polstern versuchten; sie sahen also nicht unbedingt schlank und durchtrainiert aus.

Die meisten Kenntnisse über die Waffen der Gladiatoren sind den Ausgrabungen in Pompeji zu verdanken. Ergänzt werden sie durch erhalten gebliebene kleine Statuen und Darstellungen von Gladiatoren auf Grabsteinen, Fresken und ähnliches. Die unterschiedlichen Ausrüstungen, in denen die Gladiatoren gegeneinander antraten, sind in dem Artikel Gladiatorengattungen beschrieben.

Weibliche Gladiatoren

Im Britischen Museum in London befindet sich ein Relief, das zwei Gladiatorinnen zeigt, die soeben von dem vom Kampf begeisterten Publikum ehrenhaft entlassen werden. Sogar die Namen, unter denen diese zwei Gladiatorinnen auftraten sind bekannt: "Amazona" und "Achilla". Trotz dieser überlieferten Abbildung waren weibliche Gladiatoren die Ausnahme in den Gladiatorenkämpfen. Zwar hatte schon Nero Frauen (und auch Kinder) gegeneinander kämpfen lassen, normalerweise diente der Einsatz eher der Erheiterung des Publikums - wie etwa unter Domitian, der sie gegen Zwerge antreten ließ.

Der Einsatz von weiblichen Gladiatoren widersprach jedoch zu sehr der Idee, dass die in der Arena Kämpfenden die alten römischen Militärtugenden von Mut, Standhaftigkeit und Siegeswille demonstrierten, so dass sich nicht viele Anhänger dafür finden ließen. Kaiser Septimius Severus ließ in dem Jahre 200 n. Chr. den Einsatz weiblicher Gladiatoren dementsprechend auch verbieten.

Die soziale Herkunft der Gladiatoren

Bei den ersten Kämpfern handelte es sich um Sklaven oder Kriegsgefangene. Auch später wurden vor allem Gefangene, verurteilte Verbrecher und Sklaven als Gladiatoren eingesetzt. Bereits in dem 1. Jahrhundert v. Chr. verpflichteten sich jedoch auch freie Bürger als Gladiator. Obwohl Gladiatoren gesellschaftlich noch niedriger als Sklaven standen, war das Interesse, Gladiator zu werden, zeitweilig so hoch, dass der Senat dies durch ein Gesetz einschränken versuchte. So sollen gegen Ende der ersten Republik fast 50 % der Gladiatoren ehemals freie Bürger gewesen sein, die mit dem Eintritt in den Berufstand der Gladiatoren ihre Freiheit aufgaben. Dieser Schritt ist aus heutiger Sicht ca. verständlich vor dem Hintergrund einer allgemein kurzen Lebensdauer und der Tatsache, dass ein Gladiator lediglich ein bis dreimal in dem Jahr zu kämpfen hatte, in der Zwischenzeit jedoch gut versorgt wurde. Beispielhaft war auch die medizinische Versorgung, die man den Gladiatoren angedeihen ließ. Einer der berühmtesten Ärzte der Antike, Galen, sammelte seine Erfahrungen während der Zeit, in der er in der Gladiatorenschule von Pergamon die Kämpfer betreute.

Der Historiker Fik Meijer zieht für diejenigen, die sich freiwillig zu dem Gladiatorendienst meldeten, Parallelen zu den Adligen, die sich während des 19. und 20. Jahrhunderts freiwillig zur Französischen Fremdenlegion meldeten: "Am besten läßt sich ihre Situation vielleicht mit der mancher heruntergekommener Aristokraten in dem 19. und 20. Jahrhundert vergleichen, die sich zu dem Dienst in der französischen Fremdenlegion verpflichteten. Wie die Legionäre der Neuzeit wollten diese römischen Aristokraten einen Schlußstrich unter ihr bisheriges Leben ziehen und entschieden sich für eine Existenz, in der ihr früherer Status keine Bedeutung mehr hatte. Fortan teilten sie ihr Leben mit Proletariern und Sklaven, die sie zuvor vielleicht keines Blickes gewürdigt hätten."

Die Lebenserwartung eines Gladiators

Nach weit verbreiteter Auffassung begannen während der römischen Kaiserzeit die Gladiatorenspiele mit dem Gruß an den Caesar:

"morituri te salutant" - die Todgeweihten grüßen dich.

Überliefert ist dieser Gruß allerdings ca. für eine einzige Gegebenheit. Dabei handelte es sich jedoch um eine von Kaiser Claudius inszenierte Seeschlacht (Naumachie) und nicht um einen Gladiatorenkampf. Trotzdem beschreiben diese Worte die Lebenssituation eines Gladiators treffend. Gladiatoren wurden selten älter als dreißig Jahre, ihre Lebenserwartung schwankte in dem Laufe der Jahrhunderte jedoch erheblich. In dem 1. Jahrhundert vor Christus, also noch während der römischen Republik, als sich die römischen Adligen die Gunst der Wähler durch großzügige munera erkauften, wurde auch großzügig mit dem Blut der Gladiatoren verfahren. Iuvenal kommentierte dies mit den Worten:

"Munera nun edunt et, verso pollice vulcus cum iubet, occidunt populariter" - Nun geben sie Gladiatorenkämpfe und, wie der Pöbel es mit gedrehtem Daumen verlangt, töten sie volkstümlich."

Insgesamt gibt aus der Zeit der Gladiatorenkämpfe wenig verlässliche Daten darüber, wie groß die Chancen eines Gladiators waren, die Arena lebend zu verlassen. Der Historiker G. Ville wertete 100 Kämpfe aus, die in dem 1. Jahrhundert nach Christus stattfanden und stellte dabei fest, dass 19 Gladiatoren (von 200 beteiligten Kämpfern) in diesen einhundert Kämpfen ihr Leben verloren. Nach Auswertungen von Grabsteinen lag das Alter, im sie durchschnittlich starben, bei 27 Jahren. Gladiatoren hätten damit eine Lebenserwartung gehabt, die ca. wenig unter dem der "normalen" römischen Bürger lag. Der Historiker Junkelmann weist allerdings darauf hin, dass ca. den erfolgreichsten Gladiatoren ein Grabmal gesetzt wurde. Der Großteil der Gladiatoren starb dagegen am Anfang ihrer Laufbahn, da ca. die fähigsten die ersten Kämpfe überlebten. Diesen jung gestorbenen Gladiatorenneulingen hat man jedoch in der Regel keinen Grabstein gesetzt, sie wurden anonym verscharrt. Nach den Schätzungen von Junkelmann starben die meisten Gladiatoren ihren gewaltsamen Tod in dem Alter zwischen 18 bis 25 Jahren.

Mit jedem Kampf stieg die Selbstsicherheit, Erfahrung und Beliebtheit eines Gladiators. Ein erfahrener und damit ein Gladiator mit hoher Anhängerschaft hatte deutlich mehr Chancen, vom Publikum oder Spieleveranstalter begnadigt zu werden, wenn er in dem Kampf unterlag. Das Überleben eines erfahrenen Kämpfers lag durchaus in dem Eigeninteresse des Publikums - ca. so waren spannende Kämpfe auch in der Zukunft sichergestellt. Nach den Inschriften auf dem Grabmal eines in Sizilien beerdigten Gladiators gewann dieser Gladiator 21 von 34 Kämpfen, 9 Kämpfe gingen unentschieden aus und in den vier Kämpfen, die er verlor, begnadigte ihn jeweils das Publikum.

Da Gladiatoren ein Teil der Einnahmen aus ihren Kämpfen zustand, hatten sie bei entsprechender Überlebensdauer eine gewisse Chance, sich nach einiger Zeit freikaufen zu können. Freigelassene Gladiatoren wurden mit einem hölzernen Schwert ausgezeichnet. Allerdings bot die strenge römische Hierarchie den Gladiatoren wenig Freiraum für ein Leben nach der Kampfarena.

Gladiatorenschulen

Gladiatoren wurden in besonderen Schulen (ludi) ausgebildet. Berühmte Gladiatorenschulen befanden sich in Capua und im 79 n. Chr. durch einen Vulkanausbruch verschütteten Pompeji. Eine der größten Gladiatorenschulen war in Ravenna beheimatet. Nach Schätzungen gab es insgesamt etwas mehr als 100 Gladiatorenschulen, die normalerweise unter Leitung eines Gladiatorenmeisters standen, der auch der Besitzer der Gladiatorenschule war. Häufig reisten Gladiatoren in einer Truppe (familia) von Stadt zu Stadt. Der Besitzer der Truppe vermietete seine Gladiatoren an denjenigen, der einen Gladiatorenkampf veranstalten wollte.

In Rom gab es vier Gladiatorenschulen, die größte nannte sich Ludus Magnus und war mit dem Kolosseum durch einen Tunnel verbunden. Diese vier befanden sich in staatlichem Besitz und standen unter der Aufsicht eines Beamten, der sorgfältig ausgesucht wurde und der zu den am höchsten bezahlten römischen Beamten zählte. Angesichts der Gefahr, die von einer todesmutigen, kampferprobten Gruppe von Menschen ausging, wollte man auf diese Weise sichergehen, das Risiko für die römische Bevölkerung klein zu halten.

Ausbilder eines neu angeworbenen Gladiatorrekruten waren gewöhnlich alte, erfahrene Kämpfer, die ihren Schülern die für die jeweilige Waffengattung typischen Bewegungsabläufe einschliffen. Die Schüler übten an Pfählen, und Vegetius beschrieb in dem 4. Jahrhundert die Ausbildungspraxis, die für Soldaten und Rekruten identisch waren:

Von den einzelnen Rekruten wurde aber je ein Pfahl so in die Erde gerammt, dass er nicht wackeln konnte und sechs Fuß hochragte. An diesem Pfahl übte sich dann der Rekrut wie gegen einen Gegner ... so dass er mal den Angriff wie gegen Kopf und Gesicht richtete, mal von der Flanke her drohte, bisweilen sich bemühte, die Kniekehlen oder Beine zu verwunden...In dieser Übung achtete man auf die Vorsichtsmaßregel, dass der Rekrut zu dem Anbringen einer Wunde herzusprang, ohne dabei sich selbst irgendwo eine Blöße zur Verwundung zu geben. Außerdem lernten sie, nicht schlagend, sondern stechend zuzustoßen. ... Eine geschlagene Wunde, mit welcher Wucht sie auch angebracht werden mag, ist doch nicht häufig tödlich, da die lebenswichtigen Organe durch die Schutzwaffen und durch die Knochen geschützt sind. Hingegen ein Stich, der ca. zwei Zoll tief geht, ist tödlich...

Die Gladiatoren übten dabei in der Regel mit hölzernen Waffen, die deutlich schwerer waren als die, die später in der Arena zu dem Einsatz kamen. Damit sollte ihre Ausdauer trainiert werden.

Der Ablauf eines Tages in der Arena

Die Vorbereitungen

Stand ein "munus" an, wandte sich der Spieleveranstalter (editor) an einen Gladiatorenmeister (lanista), der mit der Durchführung beauftragt wurde. Ein Vertrag schrieb dabei fest, wie viele Gladiatorenpaare anzutreten hatten, wie das Begleitprogramm ausgestaltet war, wie lange die Veranstaltung dauern sollte und regelte auch die Bezahlung. Wenige Tage vor dem Beginn des "munus" wurden die Kämpfer öffentlich vorgestellt. Wichtige Informationen waren, in welchen Paarungen die Kämpfer gegeneinander antreten würden, in welcher Reihenfolge die Kämpfe durchgeführt werden würden und in wievielen Kämpfen die jeweiligen Gladiatoren erfolgreich waren. Am Vorabend gab es für die Gladiatoren außerdem ein Festbankett, bei dem auch Publikum zugelassen war.

Der Kampftag

So wie Augustus die Veranstaltung von Gladiatorenkämpfen als kaiserliches Privileg etablierte, so prägte er auch den Ablauf eines Gladiatorenkampfes entscheidend mit. Die bis zu der augustinischen Zeit als eigenständige Veranstaltung abgehaltenen Tierhetzen integrierte er in den Ablauf eines Kampftages. Der einzelne Ablauf variierte zwar von Kampf zu Kampf, aber folgender Ablauf war für einen Tag in einem Amphitheater in der nachaugustinischen Kaiserzeit typisch:

  • In den Morgenstunden wurden als erstes Tierkämpfe veranstaltet. Dies konnte beispielsweise der Kampf eines Stieres gegen einen Bär sein. Der Dichter Martial berichtet auch über Kämpfe zwischen Stier und Elefant, Löwe und Leopard oder Nashorn gegen Büffel.
  • Als Zwischenspiel folgten gelegentlich Zirkusnummern, in denen dressierte Tiere auftraten.
  • Danach folgten Tierhetzen, bei denen nicht Gladiatoren kämpften, sondern spezielle "venatores" und "bestiarii". Diese speziell ausgebildeten Kämpfer sah man noch kleiner an als die Gladiatoren, sie trugen auch eine völlig andere Ausrüstung als Gladiatoren. Ihre Waffe war vor allem der Jagdspeer. Gehetzt wurden harmlose Tiere wie beispielsweise Antilopen oder Hirsche und waren diese erlegt, begann die Jagd auf gefährlichere Tiere wie Raubkatzen, Elefanten oder Bären.
  • Während der Mittagszeit wurden Verbrecher in der Arena hingerichtet. Das konnte eine Hinrichtung sein, bei denen die Verbrecher den Tieren vorgeworfen wurden (was einer Verurteilung "damnatio ad bestias" entsprach) oder sie wurden gezwungen, mit Waffen gegeneinander anzutreten. Der Sieger eines Zweikampfs hatte sich dann dem nächsten Verurteilten zu stellen. Eine Chance auf eine Begnadigung gab es nicht; der zuletzt überlebende wurde in der Arena durch "venatores" hingerichtet.
  • Das Nachmittagsprogramm begann mit dem Einmarsch aller Gladiatoren, die sich so dem Publikum präsentierten. Nach der Präsentation kehrten sie in die Katakomben zurück.
  • Als Vorübung (sogenanntes "prolusio") zu den eigentlichen Gladiatorenkämpfen traten Gladiatoren, aber auch gelegentlich Vertreter des Adels mit stumpfen oder hölzernen Waffen paarweise gegeneinander an. Bei sehr großen Veranstaltungen konnte sich dieses "prolusio" auch über mehrere Tage hinziehen. Eine Teilnahme eines römischen Adligen an einem solchen "prolusio" wurde in dem Gegensatz zu dem "echten" Gladiatorenkampf als nicht ehrenrührig betrachtet. Auch römische Kaiser - wie beispielsweise Commodus - sollen hierbei ihren Mut zur Schau gestellt haben.
  • Der eigentliche Gladiatorenkampf fand in dem Anschluß daran statt. Üblich war der Zweikampf, wobei bestimmte Paarungen wie ein "retiarius" gegen einen "murmillo" klassische Kombinationen waren.

Der Kampf

Der Historiker Junkelmann weist daraufhin, dass der Kampf in der Arena - die sogenannte Gladiatur - kein wildes Handgemenge, sondern ein höchst differenzierter, genauen Regeln unterworfener Kampfsport war. Ihr Kampf wurde in der Regel von zwei Schiedsrichtern beobachtet. Sie leiteten auch Pausen ein, wenn beide Kämpfer zu erschöpft waren oder sich die Riemen der Ausrüstung lösten, und sie ahndeten Regelverstöße. Eine der wesentlichen Aufgaben der Schiedsrichter war es zu verhindern, dass ein sich ergebender Gladiator den weiteren Attacken seines Gegners ausgesetzt war. Ein Kampf konnte auf vier Weisen enden:

  • durch den Tod eines der Kontrahenten während des Kampfes
  • dadurch, dass einer der Unterlegenen aufgab und auf Verlangen des Publikums oder des Spieleveranstalters noch in der Arena durch seinen Gegner hinrichtungsmäßig getötet wurde
  • Aufgabe eines der Kämpfer und Begnadigung des Gladiators durch das Publikum oder den Spieleveranstalter (sogenannte "missio")
  • die Entscheidung, dass das Gefecht unentschieden ausging (sogenannte "stantes missi")

Nach Junkelmann war die letzte Form, einen Kampf zu beenden, die seltenste und galt als durchaus ruhmvoll.

Ein unterlegener Gladiator bat um Gnade, indem er einen Zeigefinger ausstreckte oder seine Waffen niederlegte. Der Schiedsrichter wandte sich dann an den Veranstalter der Spiele - in dem römischen Kolosseum war dies meist der Kaiser - der das Urteil zu fällen hatte. Dieser übertrug die Entscheidung aber gewöhnlich den Zuschauern. In der allgemeinen Vorstellung fällten die Zuschauer das Todesurteil, wenn sie mit dem Daumen nach unten zeigten. Es gibt jedoch keine historischen Belege dafür, dass dies so war. Es ist auch denkbar, dass mit einem gegen die Brust gerichteten Daumen der Todesstoß symbolisiert wurde. Eindeutiger belegt ist jedoch, was die römischer Zuschauer in solchen Momenten riefen. Riefen sie "mitte" (laß ihn gehen) oder "missum", dann durfte der unterlegene Gladiator lebend die Arena verlassen. Der Ruf "iugula" (Abstechen) dagegen kündigte das hinrichtungsmäßige Ende des Gladiators an. Vom Gladiator wurde dann erwartet, das er auf dem Boden kniend gefaßt den Todesstoß in den Hals oder zwischen die Schulterblätter hinnahm.

Der Sieger dagegen erhielt einen Ölzweig und einen Geldbetrag und verließ die Arena durch die "Porta Sanavivaria", das Tor der Gesundheit und des Lebens. Der Tote wurde dagegen auf einer mit Tüchern behangenen Bahre durch die "Porta Libitinaria" hinausgetragen, das Tor der Göttin des Todes und der Bestattung.

Römer und Gladiatoren - eine ambivalente Beziehung

Das Beispiel mannhafter Tapferkeit

Die Haltung der Römer gegenüber den Gladiatoren war sehr ambivalent: auf der einen Seite waren Gladiatoren in der sozialen Hierarchie noch niedriger angesiedelt als Sklaven, auf der anderen Seite wurden erfolgreiche Gladiatoren zu Berühmtheiten, von denen man sich die alten römischen Tugenden wie Siegeswille, Todesverachtung und Tapferkeit demonstrieren ließ. Sowohl für Cicero als auch für Seneca war der gleichmütig sterbende Gladiator ein exemplum virtutis, ein Beispiel mannhafter Tapferkeit. Marcus Junkelmann weist darauf hin, dass Cicero das, was er dem römischen Volk in seiner "Dritten Philippischen Rede" angesichts des Griffes von Marcus Antonius nach der Macht predigte ("... was tapfere Gladiatoren zeigen, indem sie mit Würde untergehen, das lasst auch uns tun, die Herren aller Länder und Völker - lieber wollen wir in Ehren fallen als in Schande das Leben von Sklaven führen"), für sich selbst auch umsetzte. Er starb den "Gladiatorentod", indem er bereitwillig seinen Hals dem Schwert darbot, als ihn die Söldner des Antonius fingen.

Der "angebetete" Gladiator

Einige Gladiatoren besaßen eine große Anhängerschaft unter den Bürgerinnen Roms, die die Gladiatoren als Sexualobjekt betrachteten. Graffiti, wie sie in Pompeji zu finden sind, lassen auf glühende Anhängerinnen schließen. Ein sexueller Kontakt mit Gladiatoren war zwar verpönt und wurde gesellschaftlich streng geächtet, es kam aber trotzdem zu sexuellen Beziehungen zwischen Gladiatoren und Bürgerinnen. Faustina, die Mutter des Kaisers Commodus, hatte ihren Sohn angeblich mit einem Gladiator gezeugt - wahrscheinlich aber erfand Commodus diese Geschichte selber, um seine Sonderrolle zu unterstreichen. Als besonders skandalös empfand man die Beziehung zwischen Eppia, einer Frau aus reicher Familie, die Senatorengattin war und dem Gladiator Sergiolus. Glaubt man dem römischen Satiriker folgte Eppia dem körperlich schon lange nicht mehr attraktiven Sergiolus aus Liebe kreuz und quer durch die Provinzen.

Spartacus oder die Gefahr in der eigenen Stadt

Gladiatoren waren hervorragend ausgebildete, kampferprobte Männer, die wenig zu verlieren hatten. Die Römer waren jedoch lange davon ausgegangen, dass ihnen von Seiten der Gladiatoren wenig Gefahr drohe. Die Männer stammten aus verschiedenen Volksgruppen, und solange die Waffen in der Waffenkammer unter strenger Bewachung standen und den Gladiatoren außerhalb ihrer Übungszeit nicht zugänglich waren, hielt man die Gefährdung für klein. Dies änderte sich mit dem Sklavenaufstand, an dessen Entstehen Gladiatoren nicht unwesentlich beteiligt waren. In dem Jahre 73 v. Chr. entwichen aus einer Gladiatorenschule in Capua achtzig Gladiatoren, denen sich rasch weitere Sklaven anschlossen. Anfangs ca. mit Küchenmessern bewaffnet (die Waffen in der streng bewachten Waffenkammer waren während des Ausbruchs nicht zugänglich), gelangten die Entflohenen rasch in den Besitz professioneller Ausrüstung, nach dem sie sich zweimal erfolgreich der Waffen der auf sie angesetzten Truppenteile bemächtigten. Die militärischen Erfolge des Sklavenheeres, das in dem wesentlich unter Leitung von Spartakus stand, waren jedoch ca. begrenzt. Ein römisches Heer unter Leitung von Crassus stellte das Sklavenheer in dem äußersten Süden Italiens und schlug es vernichtend.

Die Gefahr eines erneuten Aufstandes durch bewaffnete Gladiatoren blieb den Römern jedoch deutlich in dem Gedächtnis. Die Gladiatorenschulen in Rom wurden unter Aufsicht kaiserlicher Beamter (sog. "procuratores") gestellt, die hoch bezahlt wurden, und in Zeiten von Staatskrisen zog man es vor, die Gladiatoren aus den Städten zu verlagern.

Die Veranstaltungsorte der Gladiatorenkämpfe

Gladiator Beschreibung
Gladiator Beschreibung
Im Kolosseum wurden Gladiatorenkämpfe veranstaltet

Das "Forum Boarium" - der Kuhmarkt nahe der Tiberinsel - war der erste Veranstaltungsort von Gladiatorenkämpfen, die anfangs ca. schlichte, primitive Veranstaltungen waren. Das Forum Romanum war aus Platzgründen jedoch geeigneter als das "Forum Boarium" und wurde daher in der Folge der Schauplatz der Gladiatorenkämpfe, deren Zahl ab 264 v. Chr. kontinuierlich zunahm. Schon wenige Jahre, nach dem Decimus seine spezielle Gedenkfeier an seinen Vater abgehalten hatte, wurden für die Zuschauer Sitzgelegenheiten geschaffen, damit sie dem Geschehen mit etwas mehr Komfort beiwohnen konnten.

Rom selber hatte lange Zeit keinen angemessenen Ort für Gladiatorenkämpfe. Das änderte sich erst mit dem Bau des Kolosseums, mit dem eine riesige mit Sand bestreute Arena geschaffen wurde, von deren Ränge aus die römischen Zuschauer das Geschehen verfolgen konnten.

Das Ende der Gladiatorenkämpfe

Unter den römischen Kaisern gab es neben den großen Freunden der Gladiatorenkämpfe (wie Commodus, Nero, Caligula und Claudius) auch solche, die diesem Treiben deutlich distanzierter gegenüberstanden wie etwa Tiberius oder Marcus Aurelius. Marcus Aurelius beispielsweise verbot den Einsatz scharfer Waffen bei Gladiatorenkämpfen und Augustus verbot Gladiatorenkämpfe, die ca. mit dem Tod eines der Kämpfenden enden durften. Entschiedene Gegner der Gladiatorenkämpfe gab es jedoch nicht: Kaiserkult und Gladiatorenkampf waren eng miteinander verwoben. Wer sich gegen den Gladiatorenkampf aussprach, sprach sich auch gegen die Institution des Kaisers aus.

Kritische Stimmen richteten sich eher gegen die hemmungslos zur Schau gestellte Blutgier des Publikums und das brutale Begleitprogramm. So berichtet Seneca schockiert über die mittäglichen Hinrichtungen, bei denen die Hinzurichtenden mit scharfen Waffen gegeneinander antraten:

Durch Zufall bin ich in dem Mittagsprogramm des Zirkus gewesen - Scherze erwartend, Witze und etwas Entspannung, womit sich der Menschen Augen vom Menschenblut erholen: das Gegenteil ist der Fall. Was vorher gekämpft worden ist, war Mitleid; nun läßt man die Spielchen, und es ist der reine Mord: nichts haben sie, sich zu schützen. Dem Hieb mit dem gesamten Körper ausgesetzt, schlagen sie niemals vergeblich zu. Das ziehen die meisten den regulären Kampfpaaren und sonst geschätzten vor. Warum sollten sie es nicht vorziehen? Nicht Helm, nicht Schild weist ab das Schwert. Wozu Finten? All das ist Verzögerung des Todes. Am morgen wirft man den Löwen und Bären Menschen vor, am Mittags den Zuschauern. Mördern werden auf ihren Befehl künftigen Mördern vorgeworfen, und den Sieger heben sie auf für einen weiteren Mord; Abschluß ist der Kämpfenden Tod: mit Schwert und Feuer wird die Sache ausgefochten. Das geschieht, bis leer die Arena ist.

Für Seneca exakt wie für Cicero symbolisierte dagegen der Gladiator, der gleichmütig und tapfer in dem Kampf gegen einen anderen Gladiator stirbt, in beispielhafter Form römische Kardinaltugenden.

Wirkliche Kritik am Gladiatorenkampf setzte erst mit den christlichen Schriftstellern in dem 2. und 3. Jahrhundert ein. Zur selben Zeit war das römische Kaisserreich auch finanziell nicht mehr in der Lage, diese aufwendigen Veranstaltungen häufig zu veranstalten. In dem Jahre 325 n. Chr. erließ Kaiser Konstantin erstmals ein an den Gouverneur östlicher Provinzen gerichtetes Edikt:

In Zeiten, in denen Frieden und innenpolitische Ruhe herrschen, missfallen uns blutige Vorführen. Darum verfügen wir, dass es keine Gladiatoren mehr geben darf. Die, die ihrer Verbrechen wegen früher dazu verurteilt wurden, Gladiatoren zu werden, sollen ab jetzt in den Bergwerken arbeiten. So büßen sie die Strafe für ihre Verbrechen, ohne ihr Blut vergießen zu müssen.

Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. wurden die Gladiatorenspiele von Kaiser Honorius zwar endgültig verboten, sie sind aber noch bis in das 6. Jahrhundert bezeugt.

Das Fortbestehen des ritualisierten Zweikampfs

Der holländische Professor für Alte Geschichte Fik Meijer weist daraufhin, dass der Gladiatorenkampf seinen Fortbestand in ritualisierten Zweikämpfen bis in das 20. Jahrhundert hatte. Für die einzelnen Zeitperioden bezeichnet er:

  • Im Mittelalter das "gerichtliche" Duell als Gottesurteil, bei dem zwei eines Verbrechens beschuldigte Männer gegeneinander kämpften. Die Niederlage war der Schuldbeweis: Starb der Unterlegene nicht bereits in dem Kampf, so wurde er anschließend hingerichtet.
  • Gleichfalls dem Mittelalter zuzurechnen ist der ritterliche Zweikampf, bei dem häufig genug ebenfalls einer der Beteiligten starb.
  • Vom 16. Jahrhundert bis zu dem Anfang des 20. Jahrhunderts tritt das Duell in Erscheinung, das ebenfalls nach strengen Ritualen abläuft.
  • Der neuzeitliche Boxkampf Absichtt zwar nicht auf die Tötung des Gegners ab. Die Faszination, die er auf die Zuschauer ausübt, ist aber nicht unähnlich der, die ein Gladiatorenkampf auf die damaligen Zuschauer ausübte.

Marcus Junkelmann weist jedoch bei diesen Vergleichen auf einen entscheidenden Unterschied hin. Der Gladiator, der den Kampf verlor, war (sofern er nicht bereits während des Kampfes verstarb) dem Urteil des Spielgebers bzw. des Publikums ausgeliefert: Das Publikum oder der Spielgeber konnte entscheiden, dass er zu töten sei und dies erfolgte in Form einer bewussten, hinrichtungsmäßigen Tötung.

Die Gladiatorenkämpfe waren stets auch von Hinrichtungen und Tierhetzen begleitet. Fik Meijer weist auch hier darauf hin, dass die Form der Zurschaustellung nicht auf die römische Zeit begrenzt war: Hinrichtungen wurden bis in das 18. Jahrhundert in Mitteleuropa öffentlich vollzogen und waren regelmäßig nicht weniger grausam, als was sich zur Mittagszeit in den Arenen der Gladiatorenkämpfe abspielte. Ebenso sind Tierhetzen - das Morgenprogramm eines Gladiatorenkampfes - in legaler Form als Stierkampf bis heute Publikumsmagnet; Hundekämpfe u.ä. sind zwar mittlerweile gesetzlich untersagt, finden aber noch stets ein Publikum.

Gladiatorenkampf und Medien

Die Faszination, die das Spiel mit dem Tod auf Menschen ausübt, hat seit dem 19. Jahrhundert dazu geführt, dass sich Literatur, Bildende Kunst und Film mit diesem Thema auseinandersetzen. Edward Bulwer-Lytton veröffentlichte 1834 seinen Roman "Die letzten Tage von Pompeji", im Gladiatorenkämpfe eine Rolle spielen. Diesem Roman folgten weitere, darunter der 1895/96 veröffentlichte Roman "Quo vadis" des Autors Henryk Sienkiewicz, der wenige Jahre später mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Parallel dazu nahm sich die bildende Kunst des Themas an. Maler des 19. Jahrhunderts wie Lawrence Alma-Tadema , Francesco Netti und Jean-Léon Gérôme malten Sujets aus der Kampfarena. Das Ölgemälde "Pollice verso" von Gérôme aus dem Jahre 1872 gilt als eines der herausragendsten Werke, die die Gladiatur zu dem Thema haben und als das Bild, das unsere heutige Vorstellung über Gladiatorenkämpfe entscheidend prägte.
Der Maler Gérôme hatte umfangreiche Recherchen betrieben und intensiv in Pompeji ausgegrabene Rüstungen studiert. Sein Gemälde gibt daher den Wissensstand der damaligen Zeit über Gladiatorenkämpfe wieder, lediglich die Kombination der Ausrüstungsgegenstände ist nach heutigem Wissensstand nicht zutreffend. Das Gemälde gibt darüberhinaus die Atmosphäre des entscheidenden Moments (vermutlich) treffend wieder: Unter dem durch das Sonnensegel gefilterten Licht fällt eine aufgeregte Menge das Hinrichtungsurteil über den unterlegenen Kämpfer. Selbst die weiß gekleideten Vestalinnen, die dem als Staatsakt geltenden Gladiatorenkampf immer beiwohnten, lassen sich zur tödlichen Geste hinreißen. Sowohl das Sonnensegel als auch der privilegierte Sitzplatz der Vestalinnen ist historisch belegt, lediglich die Richtung des Daumenzeichens, der das Todesurteil andeutet, ist Vermutung. Der Regisseur Ridley Scott, der in dem Jahr 2000 den Film " Gladiator" drehte, ließ sich nach eigenem Eingeständnis von diesem Gemälde zu seinem Film inspirieren.

Der Film hat das Thema des Gladiatorenkampfes ebenfalls sehr früh aufgegriffen. Einer der ersten Filme, im Gladiatoren eine Rolle spielen ist die 1935 entstandene Romanverfilmung "Quo vadis?". Seine Fortsetzung fand das Thema in Klassikern wie dem Film Spartacus (Film) von Stanley Kubrick und dem mit Oscars ausgezeichneten Kassenerfolg "Gladiator" von 2000.

Sowohl Spartacus als auch Gladiator sind in ihrer Darstellung der Gladiatorenkämpfe nicht korrekt. Während sich der Film Spartacus darauf beschränkt, Gladiatorengattungen antreten zu lassen, die zur dargestellten Zeit noch nicht existierten, geht Ridley Scott trotz seines publizierten Anspruchs, ein authentisches Bild zu zeichnen, wesentlich weiter. Die in dem Film benutzten Rüstungsteile entstammen unterschiedlichster Zeit und den Waffenarsenalen unterschiedlichster Völker - der auf Gladiatorenwaffen spezialisierte Experte Marcus Junkelmann bezeichnet unter anderem Wikingerhelme und Bestandteile türkischer Rüstungen; der dargestellte Kampf ist ein blutrünstiges Gemetzel und kein von Schiedsrichtern begleiteter fairer Zweikampf und die Kämpfer dürfen sich darüberhinaus mit plötzlich in der Arena erscheinenden Raubkatzen auseinandersetzen. Selbst in der Ausstattung der Kampfarena lassen sich bemerkenswerte Fehler finden: Die steinernen Säulen dienen als Wendemarken von Renngespannen und sind daher nicht in dem Kolosseum zu finden, sondern in den auf Rennen ausgerichteten Stadien wie beispielsweise dem Circus Maximus.

Ausgewählte Quellen

  • Augustus, Res gestae divi Augusti/Meine Taten, lateinisch-griechisch-deutsch, hrsg. von Ekkehard Weber, Düsseldorf/Zürich 1999. Als Weblink in Latein/Englisch auch zu finden unter: Zitat Augustus (http://perseus.mpiwg-berlin.mpg.de/cgi-bin/ptext?lookup=Aug.+Anc.+22)
  • Cicero, Tusculanae disputationes/Gespräche in Tusculum II 41 Text (lateinisch) (http://www.thelatinlibrary.com/cicero/tusc2.shtml)
  • Cicero, Epistolae ad familiares/An seine Freunde VII 1 Text (lateinisch/englisch) (http://perseus.mpiwg-berlin.mpg.de/cgi-bin/ptext?doc=Perseus%3Atext%3A1999.02.0009&layout=&loc=7.1.1)
  • Seneca, Ad Lucilium epistulae morales/ An Lucilius. Briefe über Ethik, Buch I, Brief 7 Text (lateinisch) (http://www.thelatinlibrary.com/sen/seneca.ep1.shtml)
  • Sueton: De vita Caesarum/Die Kaiserviten Text (lateinisch) (http://perseus.mpiwg-berlin.mpg.de/cgi-bin/ptext?doc=Perseus%3Atext%3A1999.02.0061), Text (lateinisch/englisch) (http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/home.html)
  • Vegetius: Epitoma rei militaris/Abriß des Militärwesens, lateinisch-deutsch, hrsg. und übers. von Friedhelm L. Müller, Stuttgart 1997 Text (lateinisch) (http://www.thelatinlibrary.com/vegetius.html)

Literatur

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